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Johanniskraut - Der Lichtbringer

 

Alte Kräuterkundler wussten aufgrund der Signatur einer Pflanze auf ihre Wirkung zu schließen. Signatur bedeutet, dass man anhand von Form, Farbe, Geruch, Geschmack, Beschaffenheit und Standortbedingungen einer Pflanze auf ihre Wirkweise und Anwendung schließen konnte. Die Signaturenlehre war eine Form des „intuitiven Pflanzenbestimmens“ der Kräuterkundigen alter Zeiten.

 

Betrachtet man beispielsweise die zu Strahlen angeordneten Staubblätter und die gelb- leuchtenden Blütenblätter des Johanniskrauts, ist es verständlich, warum man damals eine Analogie zur Sonne darin sah. Das Johanniskraut wird deshalb zu den sogenannten „Sonnenkräutern“ gezählt.

 

Sonnenkraut

Aufgrund seiner Sonnensignatur und dem Zeitpunkt seines Erscheinens wurde das Johanniskraut Symbolträger des Sommersonnwendfestes.

Die Inhaltsstoffe des Hypericums wirken auf den menschlichen Organismus leicht phototoxisch, das heißt, man wird lichtempfindlich. Die äußerliche Anwendung ist daher in direkter Sonneneinstrahlung mit Vorsicht zu genießen. Innerlich eingenommen, z.B. als Tee, kann das Kraut „Sonne in das dunkle Gemüt“ bringen. Aufgrund dessen zählen Johanniskrautprodukte zur Gruppe der pflanzlichen Antidepressiva.

 

Johanniskräuter

Verwirrenderweise gib es nicht nur DAS Johanniskraut, bzw. die botanische Gattung DER Johanniskräuter (Hypericaceae), sondern auch einen Sammelbegriff für verschiede Kräuter, die rund um den Johannistag gesammelt werden. Sie haben mit der botanischen Familie der Johanniskräuter nichts gemein, die Sammelbezeichnung bezieht sich hierbei auf den Zeitpunkt der Ernte.

Der Volksmund sagt beispielsweise: „Kräuter, die zur „Sunnawend“ geerntet werden haben die größte Heilkraft“. Hier sind Heilpflanzen gemeint, die jetzt in ihrer vollen Blüte stehen. Diese werden in manchen Regionen zu Bündeln oder Buschen gebunden und bestehen meist aus 3, 7, 9 oder 12 verschiedenen Kräutern. Unter ihnen vertreten sind, neben dem eigentlichen Johanniskraut, je nach regionalem Vorkommen, Kamille, Schafgarbe, Quendel, Ringelblume, Arnika, Holler- und Lindenblüten, Rotklee, Gundermann. Ein Teil dieser Kräuterernte war in früherer Zeit für das Sonnwendfest reserviert, den anderen Teil behielt man für Notzeiten auf, um in der kalten Jahreszeit genug Vorrat an Heilkräuter zu haben.

 

Astronomisches

Die Johanniskräuterernte verweist auf den astronomischen Beginn des Sommers der nördlichen Hemisphäre, die Sommersonnenwende. Diese Daten markieren die längsten Tage und kürzesten Nächte des ganzen Jahres. Den Gegenpol zur Sommersonnenwende stellt die Wintersonnenwende dar. Die längsten Nächte des Jahres sind rund um den 20- 22. Dezember.

 

Sonnenkult

Als der Mensch aus früherer Zeit noch näher an der Natur war, spielten markante Daten in der Entwicklung eines Jahreskreises eine bedeutende Rolle. In den Tagen und Nächten der astronomischen Sommersonnenwende beispielsweise wurde der symbolische Sieg des Lichtes über die Dunkelheit gefeiert und die damit verbundene fruchtbare Naturkraft des beginnenden Sommers verehret.  Zu diesem Zwecke wurden Kränze oder Gürtel aus Johanniskräutern gebunden und als Symbol für Fruchtbarkeit und Schutz am Leib getragen. Wohlduftender Rauch von Kräutern und Harzen diente als Opfergabe und Vermittler zu den Naturgottheiten. Dabei wurde getanzt, gesungen, musiziert und ausgelassen gefeiert, es war ein Freudenfest des Lebens und der Sinnlichkeit.

 

Im Zuge der Christianisierung verschwanden Themen wie Sinnlichkeit und Fruchtbarkeit aus dem einstigen Sonnenkult. Man verschobt das Datum und daraus entstand ein neues Fest, das des Johanni am 24. Juni, in Bezug nehmend auf Johannes dem Täufer. In einigen Regionen haben Überbleibsel des heidnischen Naturfestes bis zum heutigen Tage überlebt. Der ursprüngliche Gedanke der Naturverehrung ist darin aber weitgehend verschwunden.

 

Namensvetter

Das Johanniskraut kam durch die christliche Figur von Johannes dem Täufer zu seinem Namen. Das Kraut stehe seinem Namenspatron so nah, dass es sein Blut in sich träge. Von dieser Geschichte leitet sich auch der Trivialname  Herrgottsblut ab.

 

Biochemischer Hintergrund

Jeder, der schon mal selbst Johanniskrautöl hergestellt hat, weiß, dass sich das Öl in der Sonne nach kurzer Zeit rot verfärbt. Der Blutstropfen von Johannis hat damit aber weniger zu tun, als der sekundäre Pflanzeninhaltsstoff Hypericin, ein roter Farbstoff, der sich im lateinischen Name Hypericum wiederspielgelt.  

 

Bestimmung

Wer sich nicht sicher ist, ob es sich um das medizinisch genutzte echte Johanniskraut handelt, macht die „Blutprobe“. Dazu zerreibt man eine Blütenknospe zwischen den

Fingern. Verfärben sich die Finger rötlich, ist man auf am richtigen Weg.

 

Zusätzlich kann man sich am Blatt orientieren. Hält man es gegen die Sonne und kann kleine Öl Drüsen im Blatt erkennen, wirkt das Blatt „löchrig“, handelt es sich um das echte Johanniskraut.

 

Weiterverwendung

In jeder guten Naturapotheke finden wir das Johanniskraut.

Die bekannteste Weiterverarbeitung des Johanniskrauts ist der Ölauszug aus den Blüten, dem sogenannten „Rotöl“, das als Narbenöl, bei kleinen Wunden, leichten Verbrennungen oder Insektenbissen verwendet wird. Das Kraut kann auch als Tinktur, Teedroge, oder als Räucherung weiterverarbeitet werden.

Eine Rezeptidee für ein „Stimmungsschnaps“ aus der nachtschattigen Naturpraxis findest du hier.