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Lavendel - der Allrounder

Die wunderbar duftende Pflanze ist zur Dampfdestillation dann zu ernten, wenn sie bereits anfängt zu verblühen und ein paar aneinandergereihte sonnengetränkte Tage folgten. Natürlich ist der Zeitpunkt der Ernte von Standort, Lichtverhältnisse, Klima und Bodenbeschaffenheit verschieden. In Mutters Garten blüht der Lavendel richtig schön zwischen Juni und Juli. In meinem Schattenreich aus Waldvegetation hingegen je nach Jahr Anfang bis Mitte Juli. Aber ich beschwere mich nicht, ich bin froh, dass der mediterrane, wärmeliebende Lippenblütler überhaupt bei mir wohnt und gedeiht.

 

Kleiner Exkurs in die Welt der ätherischen Öle

Ätherische Öle sind Terpenverbindungen und gehören zur Gruppe der sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Pflanzen produzieren ätherische Öle entweder zum Sonnenschutz d. h. zur Regulation der Wärmebedingungen oder zum Schutz vor Fressfeinden. In mediterranen, sonnenreichen Ländern finden wir viele Pflanzen mit einem hohen Anteil an ätherischen Ölen, wie. z.B. Rosmarin und Lavendel . Diese Pflanzen "schwitzen" ätherische Öle um sich selbst zu kühlen, man kann sich diesen Schwitzmechanismus ähnlich dem eines Menschen vorstellen.

 

Lavendel ist nicht gleich Lavendel

Es gibt sehr viele verschiedene Lavendelarten und Unterarten. Allein in meinem Garten wächst Speiklavendel, daneben Schopflavendel und dahinter der echte Lavendel. Darüber hinaus gibt’s noch  den französischen Lavendel, Lavendel fein, Lavendel extra und natürliche Hybriden die unter dem Sammelbegriff  Lavandin bekannt sind.

Die Arten unterscheiden sich in der Ausbeute an ätherischen Ölen und in ihrem Duftcharakter. Doch alle Lavendelarten sind sonnenliebende, krautige Pflanzen, gehören zur Familie der Lippenblütler und bringen Mensch und Bienen Freude in den Garten.

Der Einfachheit halber einigen wir uns darauf:  Wenn von „dem Lavendel“ die Rede ist, meine ich den „echten Lavendel“ (lavandula angustifolia, lavandula officinalis).

 

Duftbotschaften

Für jeden ist ein Dufterlebnis etwas anderes, Emotionen die an Dufterinnerungen gekoppelt sind, zeigen sich so individuell wie der Mensch selbst.

Für mich hat Lavendelduft etwas mit Reinheit und Frische zu tun, mit Sommer, Sonne, Frankreich und lilafarbenen Seifen. Für den antiken Griechen beispielsweise war der Geruch Symbol für Reinheit und Sauberkeit. 

 

Lavendelwasser durch Wasserdampfdestillation

Ätherisches Öl und Lavendelwasser (Hydrolat) wird durch das Verfahren der Wasserdampfdestillation gewonnen. 

Dazu hänge ich den Lavendel nach der Ernte erstmals zum Trocknen kopfüber zu kleinen Bündeln gebunden auf. Das ganze lasse ich 2 bis 3 Tage lang antrocknen. Durch  diesen „Antrocknungsvorgang“ erziele ich eine etwas höhere Ausbeute ätherischer Öle.

Blüten und Blätter gemeinsam destilliert, ergeben eine etwas krautige Duftnote, destilliert man hingegen nur die Blüten, erhält man ein sehr blumiges und süßes Pflanzenwasser. Ich warne den Leser vor: das Rebeln der Lavendelblüten von den Stielen ist eine Heidenarbeit (im wahrsten Sinne des Wortes). Aber es lohnt sich. 

Das aus der Destillation entstandene Lavendelwasser verwende ich weiter als Raumspray oder Körperwasser. 

 

Getrocknete Blüten in Teemischungen sind neben dem Geschmack auch ein gute Zierdroge und erfreuen das Auge.

 

Verführer

Der verführerische Duft von Lavendel zählt seit Menschengedenken zur Gruppe pflanzlicher Liebesmittel. Mit Erfindung des Wasserdampfdestillation feierte der Lavendel in Frankreich seinen Höhepunkt als „Duft der Liebe“. Parfüms waren damals teuer, daher bot man auf den Straßen Liebesamulette an, kleine Stoff oder Lederbeutelchen gefüllt mit Lavendelblüten.

 

In der Naturapotheke

Ich schätze die Pflanze wegen seiner entzündungshemmenden, juckreizstillenden und abschwellenden Eigenschaften, die mir bisher immer schnelle Abhilfe bei Insektenstichen leistete. Bei kleinen Wunden wende ich Lavendelwasser als Wundspray an, das Auszugsöl (hat man keines, kann man sich auch ein paar Tropfen ätherisches Öl in ein Basisöl geben und dieses Öl verwenden) ergibt ein gutes Hausmittel bei Sonnenbrand und leichten Verbrennungen.

Die krampflösenden Eigenschaften des  ätherischen Öles finden ihre Anwendung bei Kopfschmerzen und Abgespanntheit.

 

Duft für die Seele

Lavendel kann bei Stress helfen. Allein sein Duft löst Verspannungen, stimuliert die Lebensgeister, die Atmung vertieft sich, was eine tiefe Entspannung zur Folge hat. Darüber hinaus kann der stimmungsaufhellende Duftcharakter des Lavendels in melancholischen und depressiven Verstimmungsbelangen unterstützend eingesetzt werden.

 

Im medizinischen Sektor schätzt man die Pflanze vorwiegend wegen seiner beruhigenden Eigenschaften. So wird das ätherische Öl oft in Altersheimen oder Krankenstationen als natürliches Sedativum eingesetzt.

 

Vor kurzen hab ich irgendwo gelesen, dass Lavendel beim Lösen schwieriger mathematischer Aufgaben helfen könne. Hätt' ich das früher gewusst...

 

Also, der Lavendel braucht dringend einen Imagewechsel. Die Zeiten vom Ruf eines billigen Mottenmittels sind vorbei! Unser "Lavendulein", jahrelang unterschätzt, steigt nun auf, zum Verführer und Allrounder in der Naturmedizin.